Jahr Eins nach Einführung des neuen Versicherungsvertragsgesetzes

In der deutschen Versicherungsbranche hatte mit der Reformierung des Versiche-rungsvertragsgesetzes (VVG) am 01.01.2008 eine neue Zeitrechnung begonnen. Zum 01.07.2008 trat dann auch die Informationspflichtenverordnung (VVG-InfoV) in Kraft. Durch die Neuregelungen sollen die Rechte der Versicherungsnehmer gegen-über den Versicherern in vielen Bereichen erheblich gestärkt und die Transparenz im gesamten Versicherungsrecht verbessert werden.

Doch bringt die neue Informationsoffensive wirklich mehr Durchblick für die Kunden? Festzustellen ist, dass die Abschaffung des Policenmodells den Aufwand für Kunden, Versicherer und Vermittler beträchtlich erhöht hat. Alle Vertragsunterlagen müssen vor Antragstellung ausgehändigt werden. Was dem Verbraucherschutz dienen soll, führt in der Praxis zu einem regelrechten „Informations-Overkill“. Viele Kunden fühlen sich durch die Informationsflut vor Vertragsabschluss eher belästigt als besser infor-miert.

Laut eines aktuellen Berichts von Börse Online fühlt sich seit Einführung des neuen Versicherungsvertragsgesetzes „nur jeder Sechste der Befragten besser informiert“. Ein Grund für die Verdrossenheit der Verbraucher liegt auch darin, dass die Versi-cherungswerke der Versicherer oft nicht nur unnötig aufgebläht, sondern auch kom-pliziert verfasst sind. So verwundert es auch nicht, dass laut Börse Online „86 Pro-zent der Kunden kein Interesse am Vertragsmaterial haben, obwohl es ihnen per Ge-setz zusteht“.

Zudem ist die Umsetzung des Versicherungsvertragsgesetzes und seiner Verord-nungen sehr teuer. Allein die durch die Informationspflichtenverordnung verursachten Kosten beziffert die Bundesregierung auf 864 Millionen Euro jährlich. Fest steht, dass die Versicherer in ihren Kalkulationen für die verschiedenen Produkte das mit Si-cherheit berücksichtigen werden. Und so zahlt auch diese Kosten im Endeffekt wie-der der Kunde – also der Verbraucher, der geschützt werden soll!